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Rabenvögel

Jetzt im Winter sind nicht mehr so viele Vögel im Regnitztal zu sehen oder zu hören.

Viele der kleinen bunten und singenden Vögel sind verschwunden – aber die schwarzen Gesellen sind mehr geworden, denn im Winter kommen auch die Saatkrähen zu uns ins Winterquartier.
Was so auf den ersten Blick gleich aussieht - schwarze Vögel größer als die anderen Singvögel, zu denen sie botanisch gezählt werden - entpuppt sich bei näherem Hinsehen als vier verschiedene Vogelarten.

Da sind zu allererst die Rabenkrähen.                                                                
Die Rabenkrähe ist vollkommen schwarz, sowohl im Gefieder, als auch an Schnabel und Beinen. Der Schnabel ist leicht gewölbt und hat  beim Übergang zum Kopf schwarzes Gefieder - sie ist ca. 50 cm lang.

Dann sind da die Saatkrähen, minimal kleiner als die Rabenkrähe, sie besuchen uns vor allem im Herbst und Winter und kommen aus ihren nordöstlichen Brutgebieten in unsere milderen Regionen, um hier zu überwintern. Sie sind auch total schwarz, aber ihr Gefieder schimmert metallisch bläulich bis violett. Anders als bei der Saatkrähe ist ihre Schnabelbasis grauweiß und der Schnabel ist gerade und spitz.

Hin und wieder sind auch ein paar Dohlen zu sehen, sie haben ebenfalls ein schwarzes Gefieder, sind aber an Kopf und Nacken gräulich und ein bisschen kleiner als die Saatkrähe, ca. 36 cm. Auffallend ist die helle Iris ihrer Augen, die ihr einen stechenden Blick verleiht.

Und dann kommen gelegentlich noch ein paar Kolkraben aus dem Markwald vorbei, die  auch mit ihren stattlichen 66cm Körperlänge zu unseren Singvögeln gezählt werden und davon die größten sind.

Die Rabenvögel stehen in Verdacht, sich über die Maßen zu vermehren und die kleineren Singvögel in ihrem Fortbestand zu dezimieren. Genauere Untersuchungen haben aber ergeben, dass eine Population von Rabenvögeln eine relativ konstante Anzahl an Tieren hält. Eine starke Vermehrung konnte nicht festgestellt werden.

Es ist richtig, dass die Rabenvögel auch gelegentlich ein Singvogelnest ausrauben – doch ist das nur ein verschwindend geringer Anteil ihres Futters, ca. 3 %.
Auf der anderen Seite fressen sie Aas, wodurch sie eine wichtige ökologische Funktion haben. In den Städten sind sie wegen dieser Vorliebe sogar gerne gesehen.
Ansonsten ernähren sie sich von Raupen, Mäusen, Käfern und Würmern und sind deshalb auch Hilfen bei der Schädlingsbekämpfung in Land- und Forstwirtschaft.

Sie haben ein ausgeprägtes Sozialverhalten, Paare bleiben lebenslang beieinander und das entspricht bei Kolkraben etwa 30 Jahren – in Gefangenschaft kann das sogar erheblich länger sein. Rabenkrähen und Saatkrähen werden ca. 12 – 15 Jahre alt.

Rabenkrähen und Saatkrähen schließen sich gerne zu kleineren Gruppen zusammen, ihr gemeinsames Revier verteidigen sie tatkräftig gegen Eindringlinge. Sie sind auch sonst sehr wehrhaft und es wurde beobachtet, wie sie auch Bussarde angreifen, die in ihr Revier eindringen. Zu den natürlichen Feinden der kleineren Rabenvögel gehören größere Greifvögel, sowie Füchse, Marder, Waschbären und, wie fast bei sämtlichen anderen Tieren, der Hauptfeind Mensch, der häufig Rabenvögel vergiftet oder jagt.

Das hervorstechendste Merkmal der Rabenvögel ist ihre außerordentliche Intelligenz, die von Wissenschaftlern der Intelligenz eines 6-jährigen Kindes gleichgestellt wird.
Rabenvögel sind nicht nur in der Lage Werkzeug zu benutzen, sondern können sogar einfache Werkzeuge selbst herstellen. Oder sie benutzen ihre Umwelt wie z.B. Autos um Nüsse zu knacken.
Sie werden deshalb auch als „Gaukler der Lüfte„ bezeichnet.

Ich denke, Sie werden bei ihren Spaziergängen in den Wellerstädter Wiesen Gelegenheit haben, die Rabenvögel zu sehen und ich wünsche Ihnen viel Freude dabei.

G. Düthorn