Ökobaumeister oder Problembiber?

Seit ihrer Wiedereinbürgerung haben die Biber, mit bis zu 130 cm Länge unsere größten heimischen Nagetiere, die meisten der bayerischen Flüsse, Bäche und Gräben wieder besiedelt.

 

Biber als Ökobaumeister

Am Eckenbach schufen Biber eine Teichlandschaft

Biber besitzen eine enorme Gestaltungskraft. Biberdämme verwandeln reine Fließgewässer in ein System aus unterschiedlich großen Teichen und dazwischen liegenden Fließgewässerstrecken. Neben den Dämmen entstehen aus umlaufendem Wasser neue Fließgewässerstrecken, auf denen Fische Biberdämme umwandern können. Auf diese Weise kann der Biber optimal, nämlich schwimmend, seine Nahrungsquellen erreichen, und sein Baumaterial für Burg und Damm leichter herbeischaffen, erklärt der südbayerische Biberberater Günter Schwab. Gerade in den engen Kanälen, Rinnsalen und Bächen führen die Biberbauwerke zu Rückhaltebecken, der Wasserpegel wird gehoben. Damit leistet „Meister Bockert“ einen wichtigen Beitrag zum natürlichen Hochwasserschutz bereits im Oberlauf der Flüsse.

Motor der Artenvielfalt

Naturschutzexperten sehen im Biber einen Baumeister und Motor der Artenvielfalt. Durch die Aktivitäten des Bibers entsteht sogenanntes Totholz, das aber keineswegs tot ist, sondern voller Leben. Zahlreiche Pilz- und Insektenarten nutzen das Holz als Lebensraum und Nahrung, und werden wiederum von anderen Arten, wie z.B. Spechten gefressen. Spechte können ihre Wohnhöhlen anlegen, die in der Folge von anderen Arten, wie zum Beispiel Fledermäusen genutzt werden.

Schäden für Land-, Forst- und Teichwirte

Im Feuchtbiotop der Ortsgruppe darf der Biber wüten

Laut der beiden BN-Biberberater, bei uns in Nordbayern ist es Horst Schwemmer, leben Mensch und Tier in den meisten Biberrevieren ohne Probleme zusammen. Probleme treten aber meist dort auf, wo der Mensch das Land bis an die Gewässergrenzen hin nutzt. Auch in Eckental, mit seinen über fünf Biberrevieren, sorgt das fleißige „Werkeln“ des Nagers für Konflikte. Einer konnte, so war es zumindest in der vergangenen Vegetationsperiode, durch Umwandlung von intensiv genutztem Ackerland in einen etwa neun Meter breiten, staatlich geförderten Gewässerrandstreifen entschärft werden.

Schäden in der Forstwirtschaft

Biber nagen sogar an Nadelhölzern
Eine Eiche braucht einige Jahrzehnte bis sie diesen Stammdruchmesser erreicht
Trauriger Stumpf eines Baumes, der eigentlich mehrere hundert Jahre alt werden wollte

Schutz- und Ausgleichsmaßnahmen

Oft bleiben aber Land-, Forst- und Teichwirte auf ihren Schäden sitzen, obwohl es seit 2008 einen freiwilligen Ausgleichsfonds des Freistaates gibt. Wünschenswert wäre eine weitere Aufstockung des Ausgleichsfonds, um mit einer Quote von 100 Prozent ausgleichen zu können. Dann wären für die Biberberater der Unteren Naturschutzbehörden in den meisten Fällen genügend Mittel vorhanden, um gemeinsam mit den Betroffenen passgenaue Lösungen zu finden. Solche Lösungen können sein: Drahthosen für Obst- und andere schützenswerte Bäume, Elektrozäune für Gemüsefelder oder Gitter, die das Unterminieren von Wegen oder Feldern verhindern.

Durch Rohre, wie hier am Eckenbach, wird versucht den Bach im Bachbett zu halten
Drahtgitterhose an einer Vogelkirsche
Schutzmaßnahme an einem Wildapfel
Versuch den Damm eines Fischweihers am Teufelsgraben abzusichern