Flächenfrass statt Flächenschutz in Eckental

Das Landesentwicklungsprogramm Bayern aus dem Jahr 2006 gab den Gemeinden bindende Vorgaben, um den Flächen- und Landschaftsverbrauch zu reduzieren.

Diese Vorgaben waren auf der Webseite "Flächensparen in Bayern" des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit nachzulesen. Dazu zählen unter anderem:

  • Bei der Erstellung von Bebauungsplänen soll den Belangen einer flächensparenden Entwicklung verstärkt Rechnung getragen werden.
  • "Es anzustreben ist, die Versiegelung von Freiflächen möglichst gering zu halten" (Grundsatz B VI 1.1 Abs. 1).

Leider würde die Webseite inzwischen vollständig überarbeitet, sodass man die zitierten Punkte heute nicht mehr findet.

Stattdessen hat das Umweltministerium anscheinend die Flächenmanagement-Datenbank, eine praktische Hilfe für die Kommunen eingeführt. Dieses kostenlose Tool steht den bayerischen Kommunen seit 2009 zur Verfügung und  soll ihnen den Umgang mit Innenentwicklungspotenzialen im Ort deutlich erleichtern.

In dem nachfolgenden Beispiel ( Bebauungsplan „Forth-Süd“ im Eckentaler Ortsteil Forth) hat der Markt Eckental aber nicht beherzigt das Bauen auf der "grünen Wiese" einzudämmen!

Der Flächenfraß begann schon vor Jahren mit der Aufstellung des heute gültigen Flächennutzungsplans

Schon bei der Aufstellung des Flächennutzungsplans wurde gegen die bindende Vorgabe einer flächensparenden Entwicklung verstoßen. Ohne den BUND Naturschutz als Träger öffentlicher Belange zu beteiligen, sollte laut Planung am südlichen Ortsrand des Eckentaler Ortsteils Forth ein ca. 2 ha großes Areal mit landwirtschaftlicher Nutzfläche für die Wohnbebauung geopfert werden. Besonders schmerzhaft wäre dabei der Verlust einer alten, ökologisch wertvollen Streuobstwiese am südwestlichen Rand der betroffenen Planungsfläche.

Das Bild zeigt den größten Teil des Planungsgebiets. Die Bebauung soll kurz oberhalb des Ortsrands (Häuser auf der rechten Seite) beginnen und sich bis fast zum Standort des Fotografen erstrecken. Das Alten- und Pflegeheim ist entlang der Kreisstraße ERH 9 neben dem Fahrradweg geplant.

 Änderungen am Flächennutzungsplan in 2013

Heuer beschloss die Gemeinde, den bis heute wirksamen Flächennutzungsplan zu ändern und zusätzliche Bauflächen auszuweisen. Die 50 m breite Grünfläche an der Kreisstraße ERH 9, die ursprünglich als Schallschutz für die Wohnbebauung eingeplant war, will man mit einem Senioren- und Pflegeheim bebauen.

Planungsalternativen

Aber der vorgesehene Standort ist nach Auffassung der BN-Ortsgruppe völlig ungeeignet für ein Senioren- und Pflegeheim. So besteht keinerlei Anbindung an eine entsprechende Infrastruktur (Geschäfte, Ärzte, Apotheke). Der Markt Eckental hält wegen angeblich fehlender Alternativen an diesem Standort fest. Dabei beschränkte sich die Alternativensuche ausschließlich auf Forth, einem Ortsteil mit verhältnismäßig geringer Infrastruktur.

Eingriffe und Ausgleichsfläche

Die Kritik der BN-Ortsgruppe Eckental am Verlust der alten, ökologisch wertvollen Streuobstwiese wurde zwar zur Kenntnis genommen, führte aber zu keinerlei Konsequenzen bei der Planung.

Die Mehrheit im Bau- und Umweltausschuss ignoriert einfach die Tatsache, dass man eine Streuobstwiese mit 30 bis 40 Jahre alten Obstbäumen nicht ersetzen kann. Die Neuanpflanzung einer Streuobstwiese ist kein adäquater Ersatz und damit geht der Lebensraum an dieser Stelle unwiederbringlich verloren. Die Ausgleichspflanzung braucht Jahrzehnte, um wieder eine vergleichbare Lebensraumqualität zu erreichen. 

Oberflächenentwässerung

Bei Regen fällt Oberflächenwasser an, das wegen der schweren Tonböden im geplanten Bebauungsgebiet nur schlecht versickern kann. Heute findet man dort etwa 60 % Flächen mit geringem Versiegelungsgrad (Acker, Fettwiese und alte Streuobstwiese). Die Bebauung würde mit Gebäuden und Straßen zu einem hohen Versiegelungsgrad führen.

Deshalb stimmt die BN-Ortsgruppe mit dem Wasserwirtschaftsamt überein, dass die Oberflächenwasser-Ableitung für das gesamte Baugebiet nicht gesichert ist. Laut der Begründung des Bebauungsplanentwurfs soll der im Plangebiet bei Regen anfallende Wasserabfluss getrennt über einen neuen Kanal im Bereich der Kurt-Schumacher-Straße abgeleitet werden.

Sinnvoller wäre es, größere Mengen von Oberflächenwasser erst gar nicht entstehen zu lassen, sondern direkt im Planungsgebiet zurückzuhalten, z.B. in einem temporären Feuchtgebiet als Versickerungsbereich. Damit würde der Oberflächenwasserabfluss bei Starkregen minimiert und stattdessen dem Grundwasser zugeführt. Gerade im Hinblick auf die aktuellen Überschwemmungskatastrophen könnte damit einer weiteren Verschärfung von Hochwasserwellen entgegengewirkt werden.

Leider beschloss der Bauausschuss, dass nur eventuell beim nächsten Bauabschnitt solche Maßnahmen durchgeführt werden. Die BN-Ortsgruppe forderte dagegen, dass die Maßnahmen bereits  im ersten Bebauungsplan verbindlich festgeschrieben werden.