Naturkundliche Exkursion in den Nationalpark Hainich in Thüringen

Mitte Oktober 2015 unternahm eine Gruppe von Mitgliedern aus verschiedenen Organisationen wie Bund Naturschutz, Bürgerinitiative "Umweltverträgliche Mobilität im Schwabachtal", Landesbund für Vogelschutz und Personen von der Grünen Liste Erlangen eine dreitägige Exkursion in den Nationalpark Hainich. Der Hainich ist ein kleines Mittelgebirge in Westthüringen auf Muschelkalkböden mit wertvollen und artenreichen Buchenwäldern.  Der Nationalpark gehört seit 2011 zum UNESCO-Weltnaturerbe "Buchenwälder der Karpaten und Alte Buchenwälder Deutschlands". 

Zwischen dem Werratal und dem Thüringer Becken gelegen, bildet der Hainich mit seinen 7.500 ha Fläche das größte zusammenhängende Rotbuchen-Laubmischwaldgebiet Europas. Dieses Biom kennzeichnet beispielhaft die potentielle natürliche Vegetation Deutschlands. Die Nationalparkidee mit ihrem "integrierten Schutzkonzept" zwischen Schutz- und Nutzungsinteressen sucht mittels Zonierung einen Ausgleich zwischen Naturschutz, privatwirtschaftlichen und regionalen Interessen. In der Kernzone besteht der Grundsatz:  "Die Natur Natur sein lassen".

Die Anfahrt erfolgte mit der Bahn bis Eisenach, von dort ging es weiter mit Taxen (trotz eines vorhandenen Wanderbusses am Rande des Nationalparks,  der aber nur dreimal am Tag fährt) in das Wildkatzendorf Hütscheroda.
In Hütscheroda informierten wir uns in der sogenannten Wildkatzenscheune ausführlich über das auch vom BUND unterstützte Projekt und wohnten einer Fütterung der vier Kater im Schaugehege bei. Die sehr scheuen Wildkatzen sind in der freien Natur kaum zu beobachten. Um die Lebensräume für die Jungtiere zu erweitern, werden kilometerlange Baum- und Buschreihen, sogenannte Korridore, z.B. zwischen dem Nationalpark Hainich und dem Thüringer Wald angelegt, denn Wildkatzen wandern nicht über freies, ungeschütztes Gelände. Die Population im Hainich beträgt etwa 60 Tiere. Anschließend wanderten wir den 7 km langen Wildkatzenpfad bis zum Aussichtsturm Hainichblick, von dem man, bei guter Sicht, einen eindrucksvollen Überblick über den südlichen Hainich bis hin zum Thüringer Wald und zum UNESCO-Weltkulturerbe Wartburg hat.  Beeindruckend sind hier die Sukzessionsflächen, denn dieser Teil des Nationalparks war bis Anfang der 90er Jahre Schießplatz der Roten Armee.

Wildkater im Gehege Hütscheroda; Attraktion ist die Fütterung – so lernt man kennen, was geschützt werden muss.

Untergebracht waren wir im höchstgelegenen Dorf des Hainich, in Craula - ein Ort mit einem aussichtsreichen Blick über den westlichen Teil des Thüringer Beckens. Mit einem hervorragenden Abendessen in einer einfachen Gaststätte mit übrig gebliebenem "DDR-Charme" ließen wir den Tag ausklingen.
Am Samstag führte uns der Revierleiter des Forst-Reviers Kindel in einer 5-stündigen Wanderung auf dem "Welterbepfad" durch den zentralen Bereich des Nationalparks.

Zu sehen ist hier ein repräsentativer Querschnitt des Nationalparks mit sehr alten Waldbereichen und interessanten Sukzessionsflächen, auf denen der Wald Offenlandbereiche zurückerobert hat. Dieser Wandel vom Schießplatz zum Nationalpark ist ein einzigartiges Modellgebiet für die Sukzession von Waldökosystemen. Auch hier besteht vom "Wartburgblick" aus eine überwältigende Rundsicht über das Gebiet. 

Bei einem rustikalen Abendessen mit Thüringer Spezialitäten rund um ein offenes Feuer in der "Hainich-Baude", einer Wanderhütte am Craulaer Kreuz, beendeten wir den ereignisreichen Tag.

In der "Hainich-Baude"

Am Sonntag wanderten  wir von Craula ins ca. 4 km entfernte Nationalparkzentrum mit dem Baumkronenpfad. Dieser 2005 eröffnete Pfad mit einer Länge von 500 Metern führt ansteigend bis zum Baumhaus mit 44 Metern hoch hinaus über das Blätterdach des Waldes: Ein beeindruckender kleiner Spaziergang bei der bunten Herbstfärbung der Laubwälder - besonders bei starkem Wind. Auch hier gab es eine fast einstündige Führung mit vielen Informationen zum Baumkronenpfad und der von dort beobachtbaren Vegetation.

Vom Baumkronenpfad erfolgte die Rückfahrt ab dem sehenswerten Rosen- und Kurstädtchen Bad Langensalza per Regionalexpress zurück nach Erlangen.

Dieter Argast, Buckenhof