"Physical Distancing" im Rad- und Fußverkehr ermöglichen

BUND Naturschutz und ADFC Erlangen fordern autofreie Zonen, temporäre Radspuren auf mehrspurigen Straßen und Tempo 30 in Erlangen

Durch Anbringung temporärer Zusatzschilder ist ein infektionsloses Überholen möglich. Der benutzungspflichtige Radweg ist dafür zu schmal, zumal auch noch mit Gegenverkehr gerechnet werden muss.

Klaus Helgert (links, ADFC) benutzt den Radweg. Rainer Hartmann (rechts, BUND Naturschutz) kann mit der entsprechenden Beschilderung auf die Busspur von St. Johann ausweichen.

22.04.2020

Die Kreisgruppe Erlangen des BUND Naturschutz fordert zusammen mit dem ADFC autofreie Zonen, temporäre Radspuren auf mehrspurigen Straßen und eine Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit auf 30 Kilometer pro Stunde innerorts als Sofortmaßnahme in der Corona-Krise. Nur so kann die Einhaltung des geforderten Mindestabstands von 1,50 Metern im Fuß- und Radverkehr sichergestellt werden. Zudem könnten schwere Verkehrsunfälle vermieden werden und so die Krankenhäuser entlastet werden. Gleichzeitig ließe sich der Schadstoffausstoß weiter reduzieren, was die Atemwege entlastet.

„Die bayrische Verkehrsministerin Kerstin Schreyer hat dazu aufgefordert, in der Corona-Krise verstärkt das Rad zu nutzen. Wie der aktuell erforderliche Mindestabstand auf Radwegen eingehalten werden soll, die oft schmaler sind als 1,50 Meter, bleibt jedoch unklar. Das gleiche Problem stellt sich auf vielen Fußgängerwegen. Aus diesem Grund fordern wir die Stadt auf, autofreie Zonen und temporäre Fahrradspuren auf mehrspurigen Straßen einzurichten. So hätten alle Verkehrsteilnehmer die Möglichkeit, den derzeit erforderlichen Mindestabstand einzuhalten“, so Rainer Hartmann, Vorsitzender der Kreisgruppe Erlangen.

Bei der Einrichtung autofreier Zonen müssten selbstverständlich Ausnahmen für den ÖPNV, Einsatzkräfte, Müllabfuhr, Handwerker, Taxis sowie für notwendige Privatfahrten von Anwohnern*innen oder zur Arbeit geben.

Die kolumbianische Hauptstadt Bogota machte vor einigen Wochen mit Pop-Up-Fahrradwegen international Schlagzeilen. In Deutschland griff der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg die Idee auf und richtete innerhalb kürzester Zeit temporäre Fahrradwege auf mehrspurigen Straßen ein.

Zusammen mit dem Allgemeine Deutsche Fahrrad‑Club (ADFC) wurde für Erlangen eine Reihe schnell umsetzbarer Maßnahmen erarbeitet. „Aus unserer Sicht wäre es zudem angebracht, die Höchstgeschwindigkeit innerorts mit sofortiger Wirkung auf 30 Kilometer pro Stunde zu begrenzen. Das würde die Verkehrssicherheit für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen zusätzlich erhöhen und so zu einer Entlastung der Krankenhäuser beitragen. Zudem ließe sich die Belastung der Luft mit Feinstaub und Stickoxiden auf diese Weise weiter reduzieren, was die Atemwege entlastet“, empfiehlt Klaus Helgert, Vorstandsmitglied im ADFC Erlangen/Erlangen-Höchstadt.

  • Gehwege temporär verbreitern: Wo Fußwege zu schmal sind, sollten sie durch Markierungen auf den Fahrbahnen erweitert werden. Auch das Verlegen von Hochbordradwegen und Parkplätzen von den Fußwegen auf die Fahrbahnen hilft schnell und einfach, um Fußwege zu verbreitern.

  • Aufparken auf Gehwege verhindern: Legales Aufparken muss unterbunden werden. Dazu muss die Beschilderung v.a. in der Innenstadt temporär abgehängt werden, z.B. durch Überziehen von Mülltüten. Illegales Aufparken ist zu Sanktionieren. Eine Ausweitung der Kontrollen in den Außenbezirken ist notwendig.

  • Verlegung von Radverkehr auf die Fahrbahn: Wo Radverkehr derzeit über Gehwege geführt wird, kann er auf die Fahrbahn verlegt werden, damit Platz auf Fußwegen geschaffen wird. Dazu eignen sich sowohl temporäre Radstreifen als auch die Einrichtung von temporären Fahrradstraßen.

  • Busspuren für den Radverkehr freigeben: Dadurch können enge Radwege entlastet werden und sicheres Überholen wird gewährleistet.  Entsprechende Busspuren befinden sich in der Nürnberger Straße, Drausnickstraße und St. Johann.

  • Temporäre Radfahrstreifen auf der Fahrbahn: Breite und gut erkennbare temporäre Radstreifen (Pop Up Bike Lanes) helfen auch Neu-Radfahrenden, sichere „Bettelampeln“ umprogrammieren: Durch eine Vorrangschaltung für Rad- und Fußverkehr wird das Berühren des Anforderungstasters sowie das Bilden von Gruppen, die auf Grün warten, vermieden.

  • Grünphasen für nicht-motorisierten Verkehr verlängern: Da aktuell deutlich mehr Menschen auf Fahrrädern und zu Fuß unterwegs sind, braucht es für sichere Kreuzungssituationen mehr Zeit in den Grünphasen. Kurze Grünphasen sind kontraproduktiv, da viele Menschen sich eng zusammendrängen müssen, um die Straße rechtzeitig überqueren zu können.

Pressemitteilung:
https://erlangen.bund-naturschutz.de/fileadmin/kreisgruppen/erlangen/Presse_und_Medien/Presse_Dokumente/200417_Verkehr_Corona.pdf

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