BN kritisiert parteipolitische Debatte und fordert neues Gutachten für das Bergkirchweihgelände

Die Baumfällungen auf dem Bergkirchweihgelände sind Gegenstand einer parteipolitischen Auseinandersetzung geworden. Der BUND Naturschutz hält das für völlig unangemessen und in der Sache schädlich.

06.05.2019

BN kritisiert parteipolitische Debatte und fordert neues Gutachten für das Bergkirchweihgelände

Die Baumfällungen auf dem Bergkirchweihgelände sind Gegenstand einer parteipolitischen Auseinandersetzung geworden. Der BUND Naturschutz hält das für völlig unangemessen und in der Sache schädlich. Die BN-Kreisgruppe Erlangen will zur Versachlichung der Debatte beitragen und fordert aufgrund von Fakten und eigenen Recherchen ein neues Gutachten. Bis dahin müssten die Fällarbeiten ausgesetzt werden, erklärte der BN-Kreisvorsitzende Herbert Fuehr.

Die durchgeführten Zugversuche, auf die sich die Entscheidung zur Fällung von 25 Bäumen stützt, hätten sich zwar bei der Beurteilung der Standfestigkeit von Wurzeln bewährt, dürfe aber gerade an diesem Standort nicht das einzige Kriterium sein, betonte Fuehr. Er beruft sich auf Erkenntnisse des BN-Baumexperten, Christopher Busch, der für den Landesverband des BN tätig ist. Beim Zugversuch werde eine geringe Windlast simuliert, die auf den Baum einwirkt, und mit feinster Messsensorik lasse sich feststellenen, wie sich der Baum währenddessen verhält. Die Ergebnisse ließen sich auf Orkanstärke hochrechnen. Vereinfacht dargestellt, zeige dann eine Skala, ob der Baum im grünen (guter Zustand) oder roten Bereich (anfällig oder gefährdet) sei. Die Aufgabe des Sachverständigen sei dann die Chancen auf Regeneration abzuschätzen und Maßnahmen zur Wiederherstellung der Sicherheit festzulegen.

Nach Buschs eigener Erfahrung bedeutet „Rot“ nicht zwingend, dass der Baum gefällt werden muss. Es habe sich gezeigt, dass sich auch durch die Einkürzung von Kronen die notwendige Standfestigkeit erzielen lasse. Auf der anderen Seite könne nie ausgeschlossen werden, dass selbst von einem gesunden Baum bei Sturm Äste abbrechen können. Auch hier gelte: eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht.

Nach den Erfahrungen von Baumfachmann Busch werden bei Zugversuchen häufig Fehler gemacht, beispielsweise bei der Auswahl der Lastrichtung oder beim Anbringen der Sensoren. Diese hätten eine Auflösung von 0,0005 Millimetern. Dies könne zu komplett falschen Ergebnissen führen. Allerdings ließen sich diese auch mit geringem Aufwand in einem Gutachten feststellen. Außerdem bemängelt Busch, dass es äußerst ungewöhnlich ist, dass es in einer Stadt plötzlich dazu kommt, dass fast 50 Bäume mit zeit- und kostenintensiven Zugversuchen überprüft werden müssen, noch dazu in einem sensiblen Bereich (Bergkirchweih), in dem durch die Stadt seit Jahrzehnten Baumpflege betrieben wird. Das Ziel der Baumpflege sollen möglichst vitale und gesunde Bäume sein, wertvolle Baumbestände sollen langfristig gesichert werden. Dieser Grundsatz wurde in Erlangen wohl schon länger vernachlässigt.

„Wenn Erlangen seinen tollen alten Baumbestand erhalten will, sollte die Verwaltung sich dringend nach anderen Baumgutachtern umsehen!“, so Busch.

Auch für den BN ist die Sicherheit der Bergkirchweihbesucher oberstes Gebot. Allerdings müsse man ebenso den Standort berücksichtigen: Auf dem Bergkirchweihgelände machten die alten Bäume das besondere Flair aus, betont Fuehr, das tausende Besucher anziehe, die eben nicht nur wegen des Bieres kämen. Die Idylle werde ohnehin schon durch das viele Beton getrübt, das verbaut wurde - aus Gründen der Sicherheit. Alte Bäume zu erhalten, ist auch ein Ziel der Stadt - eine "Herzenssache", wie es offiziell heißt. Deshalb müsste hier besonders sensibel vorgegangen und nach Alternativen zum Fällen gesucht werden, betont der BN-Chef. Möglicherweise spiele es auch eine Rolle, dass der Gutachter und die Firma, welche die Fällungen durchführt, unter einem Dach arbeiten. Im Übrigen spreche es nicht für die Sorgfalt bei den Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit, wenn durch Bauarbeiten eine wertvolle Eiche so beschädigt wurde, dass sie gefällt werden musste.

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